Ein erster Blick in die digitale Zukunft

Ein erster Blick in die digitale Zukunft.
Enorme Herausforderungen erwarten die SWK Mobil.

Mitte Juni 2018. Sichtlich zufrieden präsentierten die Vorstände Carsten Liedtke und Kerstin Abraham und der leicht fehlplatziert wirkende Benedikt Winzen die überragenden Konzernergebnisse. Bereits im Geschäftsjahr 2016 erwirtschaftete die Stadtwerke Krefeld AG einen überraschend hohen Überschuss, welcher im vergangenen Jahr um fast elf Prozent auf 27,3 Mio Euro gesteigert werden konnte. Dies ist nicht zuletzt auf die gute Konjunktur, zahlreiche Neukunden im Energiesektor sowie einer nennenswerten Ergebnissteigerung in der EGN zurückzuführen.

Der öffentliche Personennahverkehr ist weiterhin ein verlustreiches Geschäft. So ist das jährliche Defizit u.a. bedingt durch höhere Personalkosten und Neuanschaffungen im Fuhrpark auf 19,3 Millionen Euro angewachsen. Letztlich bleibt jedoch die Frage bestehen: „Was kann der Krefelder Nahverkehrsnutzer aus diesen Informationen ziehen?“. Wo steht der Krefelder Nahverkehr im Vergleich mit anderen Städten und Kommunen? Entsprechende Antworten bleibt das Unternehmen schuldig. Zeit für einen ersten kritischen Blick auf das Thema Digitalisierung. „Wir haben im Berichtsjahr mit Blick auf die Herausforderungen der nächsten Jahre unsere Strategie 2025 erarbeitet und darin wesentliche Meilensteine definiert. Dabei geht es um intelligente Lösungen bei den Themen Digitalisierung (...) und Arbeitswelt von morgen. Wir setzen auf neu gestaltete Kundenprozesse und die konsequente Einführung digitaler Produkte und Services“, so Kerstin Abraham mit hochtrabenden eher marketingtypischen Worten. Doch wie gut ist die SWK Mobil wirklich vorbereitet, wo steht das Unternehmen und wo liegen die Probleme?

Das Thema Digitalisierung ist im öffentlichen Nahverkehr nur zögerlich gestartet. Hohe Investitionen, eine unbekannte Vielzahl an Möglichkeiten aber auch die fehlende Professionalisierung innerhalb der einzelnen Unternehmen verhinderten klare Ergebnisse. Bereits zu Hochzeiten der sozialen Netzwerke wie Facebook oder Twitter haderten die Verantwortlichen der SWK Mobil mit den meist kostenfreien Möglichkeiten, der Dienst „SWK Live“ erblickte erst im Jahr 2016 das Licht der Welt, für digital natives eine gefühlte Ewigkeit zu spät. Die veröffentlichte App „SWK Bus und Bahn“ ist ein Schatten Ihrer selbst. Weder optisch noch softwareseitig kann die App mit den Ansprüchen aktueller Smartphone- und Tabletnutzer mithalten, ein Ticketkauf ist über die App momentan nicht möglich. Die SWK Mobil musste den digitalen Ticketverkauf kurzfristig aufgrund zahlreicher Probleme einstellen, eine zentrale Plattform existiert derzeit schlichtweg nicht. Lediglich SWK Ratzfatz – eine Art begrenztes Handyticket – funktioniert reibungslos. Hat die SWK Mobil die Probleme erkannt? Entsprechende Einträge auf der unternehmenseigenen Karriereseite zeugen von Bewegung und einer neuen Ausrichtung. Ob die Ausrichtung stimmt darf angezweifelt werden. Bereits Mitte 2015...

Ein erster Blick in die digitale Zukunft ... haben sich die sechs größten VRR - Unternehmen auf eine Zusammenarbeit im Bereich der Vertriebsallianz einigen können. Unter Federführung der BOGESTRA und der DSW21 möchten die Verkehrsunternehmen ein gemeinsames Vertriebshintergrundsystem entwickeln und zielgerecht ausbauen. Der Start des Pilotsystems wurde auf das Jahr 2017 terminiert, aktueller Stand: unbekannt. Langfristig bleibt die Frage offen ob eine unternehmensspezifische Lösung für die SWK Mobil hinsichtlich der Modularität, der Flexibilität und der Anpassbarkeit nicht geeigneter ist. Stattdessen versucht man unter dem Deckmantel von technischen, personellen und finanziellen Synergien, eine Lösung herbeizuführen die bereits frühzeitig unterschiedliche Interessen sowie Anforderungen abdecken muss und so schon vor ihrem ersten Unternehmenseinsatz ein langfristiges Risiko beinhaltet. Wie und wann werden Neuerungen entwickelt? Wer hat entsprechende Entscheidungsvollmachten, darf das System auch innerhalb eines Unternehmens weiterentwickelt werden? Gibt es fachliches Knowhow innerhalb der einzelnen Unternehmen oder werden für Probleme stets externe kostenintensive Dienstleister bemüht? Wer beruflich mit dem Thema Stakeholdermanagement in Berührung kommt weiß um die Komplexität derartiger Prozesse. Ob die Geschäftsführer sich dieser enormen Herausforderung bewusst sind darf aufgrund fehlender Spezialisierung bezweifelt werden.

Untätigkeit mag man der SWK Mobil jedoch grundsätzlich nicht vorwerfen. So titelte die Rheinische Post im Dezember 2017: „SWK prüft revolutionäres Kleinbus-System“. Eine Software gepaart mit künstlicher Intelligenz errechnet je nach Fahrgastbestellung eine individuelle Route und passende Fahrziele die den Wünschen der einzelnen Fahrgäste entsprechen. Dies darf zwar als Durchbruch an Effizienz betitelt werden, ob dies in der Realität funktioniert ist unklar. Erste Erfolge konnten angestoßen durch Entwicklungen aus dem amerikanischen Raum zwar bereits vermerkt werden, ein langfristiger Einsatz in einem offenen großflächigen Verkehrssystem ist hingegen neu.

Doch wie sieht es innerhalb des Unternehmens aus? Besitzt die SWK Mobil hoch spezialisiertes Personal, Menschen die Digitalität leben und bereit sind nötige Entscheidungen zu definieren? Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Geschäftsführung, Marketing und Entwicklern – findet man langfristige Lösungsansätze die über das Vertriebsnetz hinaus die Vorzüge digitaler Anwendungen aufzeigen und einen finanziellen Mehrwert bieten? In welcher Form möchte die SWK Mobil junge Menschen, für die ein eigenes Auto durch die Unerreichbarkeit immer mehr an Attraktivität verliert, an den öffentlichen Nahverkehr binden? Neben einer zentralen Verkaufs- und Vertriebsplattform werden auch der digitale Auftritt, die Benutzerfreundlichkeit und die gern zitierte Benutzerführung zunehmend wichtiger, Bereiche wo die SWK Mobil derzeit nicht ansatzweise Ergebnisse vorweisen kann. Mit welchen zeitlichen Anstrengungen können neue Nahverkehrsnutzer ein digitales Ticket kaufen, werden diese bereits beim Kaufabschluss über aktuelle Verspätungen an der ausgewählten Einstiegshaltestelle oder beim späteren Linienverlauf informiert? Wie funktioniert die Darstellung der Verkehrs- und Störungshinweise innerhalb der Fahrzeuge, wie funktioniert die Eingliederung von sekündlich auszuwertenden Datenmengen (Big Data) in das System, Stichwort „Errechnung der Fahrzeit mit Hinzuziehung der Fahrgast- und Verkehrsströme“.

Eine Aufzählung die nur einen Bruchteil der neuen digitalen Möglichkeiten darstellt.